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02. Mai 2004, 20:48 Uhr, Andreas

Zweimal Schrott und nichts als Ärger


'So ein Schrott!', hat wohl jeder schonmal gesagt oder gedacht, wenn er mal wieder einenStaubsauger von TRISA oder einen Wasserkocher von ROTEL gekauft hatte und dieser nach drei Monaten seinen Geist aufgegeben hatte. Alles Billigware made in China.

Aber mit der Redewendung sollte man nun doch etwas vorsichtiger sein. Zwar ist umgangssprachlich alles Schrott, was nicht wirklich was wert ist, also ein Synonym für 'Müll'. In der Regel bestehen solche Erzeugnisse heutzutage zum größten Teil aus Plastik.

Tatsächlich aber ist mit Schrott Altmetall gemeint, speziell Alteisen. Und dieses hat durchaus noch seinen Wert. Wichtig ist Schrott, um neuen Stahl zu produzieren. Im Gegensatz zu Papier, dessen Holzfasern im Wiederverwertungsprozess immer brüchiger werden, kann Stahl beliebig oft wiederverwertet werden. Das spart am Ende Eisenerz und Kohle,welches in der Regel schon gar nicht mehr bei uns abgebaut wird. Aber auch die Stahlproduktion selber findet kaum noch im guten alten Europa statt sondern eher in Billiglohnländern.

Dies ist vor allem eine Folge der Globalisierung. Die Produktion wird dorthin verlagert, wo es am günstigsten ist - mit all den sozialen Folgen für uns und die Leute vor Ort.

Nun war es aber bisher noch so, dass die Globalisierung eher ein Gewinn für die reichen Staaten und ein Verlustgeschäft für die armen Staaten war. Die Proteste am Weltwirtschaftsforum in Davos etwa gingen ja in die Richtung.

Doch jetzt scheint sich das Blatt allmählich zu wandeln, und das vor allem, weil das 'Reich der Mitte' erwacht ist und seinen Anteil am Welthandel für sich beansprucht. Chinas Stahlproduktion ist im Aufwind, weil massenhaft neu gebaut wird. Da auch die Chinesen nicht dumm sind, kaufen sie bevorzugt Schrott ein statt ihre Hochöfen mit Eisenerz zu füllen. Und die Gesetze des Marktes kommen nun zur Wirkung: wenn einem gleichbleibendem Angebot eine steigende Nachfrage gegenübertritt, dann steigt der Preis.

Und die Chinesen haben offenbar sehr gute Preise bezahlt. Mussten sie anscheinend auch notgedrungen, denn der Stahlhunger in China ist immens. 43 Mio Tonnen Stahl hat das Milliarden-Reich allein 2003 importiert, mehr als Deutschland und die USA zusammen.
Und so ist im Zeitraum von Oktober 2002 bis Januar 2004 der Schrottpreis in der USA von 110 auf 230 Dollar je Tonne gestiegen. Dies muss man natürlich relativieren, denn der Dollar hat im gleichen Zeitraum gegenüber dem Euro kräftig an Wert verloren. Aber die gleiche Entwicklung hat sich auch in Deutschland abgespielt. Der Schrottpreis stieg hier im selben Zeitraum von 115 auf 185 Euro pro Tonne. Natürlich schwanken die Preise je nach Schrottsorte noch entsprechend. Aber seit Januar kannten die Preise auch nur eine Richtung:nach oben!

Ist es nun also soweit? Schlägt das Pendel der Globalisierung nun almählich dahin zurück, woher es gekommen ist? Denn inzwischen drohen in Europa Lieferengpässe bei Stahlerzeugnissen - oder sind schon akut.

Da kriegt die eingangs beschriebene Doppelbedeutung von 'Schrott' einen zynischen Beigeschmack. Europa geht der Stahlschrott aus, aber wir werden überschwemmt mit chinesischem Plastikschrott.

Und auch das ist die Folge:
Als im Hitze-Sommer 2003 den Geschäften die Klimaanlagen und Ventilatoren ausgingen, lag das einfach nur daran, dass die Herstellung jener Geräte schon längst nicht mehr in Europa stattfindet. Sämtliche Komponenten werden im Voraus gefertigt, vorzugsweise in China. Da es sich um Saisonware handelt, wird natürlich irgendwann umgerüstet auf andere Komponenten, etwa für Heizungen im Winter. Somit lässt sich bei erhöhtem Bedarf aufgrund des langen Weges und der inzwischen umgerüsteten Produktionsstraßen kein Nachschub mehr organisieren.

So stehen wir dann also da mit Geräten made in China, die schon nach ein paar Monaten nicht mehr funktionieren und fragen uns, warum wir einerseits in der Lage sind, per Internet eine Pizza zu bestellen aber andererseits im Falle des Falles keine Kühlgeräte mehr zu kaufen bekommen.


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