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22. Februar 2004, 16:20 Uhr, Andreas

AusgeKÖPPELt

Was musste ich da am 20.Februar in der Basler Zeitung lesen: Roger Köppel wird als Chefredakteur die 'Weltwoche' verlassen und stattdessen künftig für 'Die Welt' arbeiten, eine in Deutschland erscheinende überregionale Tageszeitung. Diese steht schon seit Jahren dort, wo die 'Weltwoche' anno 2001 stand: defizitäre sowohl finanziell als auch bei den Leserzahlen.

Wenn man nun argumentiert, Roger Köppel wolle nun wohl sein (erz-)konservatives Erfolgsrezept auch im großen Kanton anwenden, könnte man sich schnell irren. Denn im Gegensatz zur früheren 'Weltwoche' ist die heutige 'Welt' bereits ein recht(s)konservatives Blatt. Und auch im 'Thesenjournalismus' á la Köppel übt sich die 'Welt' schon seit Jahren, da sie als an sich seriös daher kommendes Medium gern benutzt wurde, um von rechter Seite aus als intellektuell getarnte Giftpfeile abzuschießen gegen alles was link(s) ist. Für die weniger Begabten gibts schließlich die 'BILD'-Zeitung aus dem gleichen Verlagshaus.

War es nicht eher so, dass die 'Weltwoche' aus der Schwäche herausgeholt werden sollte, und Herr Köppel die Marktlücke eines konservativen Wochenblattes in der Schweiz besetzen wollte? Wenn 'links' angesagt gewesen wäre, hätte er es halt andersrum gemacht.
Einen Drall nach links wird es bei der 'Welt' nun sicher nicht geben, dafür sorgt schon der Springerverlag als Herausgeber. Und die 'Welt' ist keine Wochenzeitung sondern erscheint täglich, auch sonntags. Wo also will Köppel hier nun ansetzen? Es wird deutlich schwieriger als bei der 'Weltwoche'.

Sicher kann man sich über die Qualität der Beiträge der 'Weltwoche' in den letzten Monaten heftig streiten. Sie unterstützte die Kriegspläne im Irak und mutierte schon fast zur Blocherwoche vor den eidgenössischen Wahlen.

Auch die Berichterstattung in Bezug auf die Abstimmung über den 'Avanti-Gegenvorschlag' war an Einseitigkeit kaum noch zu überbieten. Ja, man war sich nicht mal zu schade, nach dem 'Avanti'-NEIN noch einmal kräftig nachzutreten.

Sicher kann man sich darüber aufregen, aber genau das ist gewollt? Denn so bleibt die 'Weltwoche' im Gespräch. Wann war das letzte Mal etwas von der 'WOZ' zu vernehmen? Und es ist laut Roger Köppel erklärtes Ziel, Argumente zu liefern, die gegen die allgemeine Denkweise in Volkes Meinung zielen.

In wiefern diese Argumente dann letzten Endes geistreich sind, darf man angesicht jener drei genannten Beispiel durchaus schon in Zweifel ziehen.

Ich jedenfalls finde es doch immer wieder interessant zu lesen, wie rechte Gedankenmacherei funktioniert, vor allem aber, wie einseitig und unausgewogen sie bisweilen daherkommt.
Wie soetwas linksherum geht, weiß ich aus eigener langjähriger Erfahrung.

Letzten Endes muss man sagen, dass es ausgewogene Berichterstattung heutzutage auch sehr schwer hat, da nun mal der Platz in den Medien beschränkt ist und auch die Leser nicht mehr zuviel lesen wollen müssen. Da ist es doch schon einfacher, diesen Platz mit beschränkter Denkweise und Einseitigkeit zu füllen ;-)

Na dann viel Erfolg, Roger :-)


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